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Wie erkenne ich, ob mein Hund übergewichtig ist? Was kann ich dagegen unternehmen?

Beagle mit Übergewicht

Immer mehr Hunde leiden an Übergewicht. Zahlen aus den USA und England zeigen das große Gesundheitsproblem. Über 50% der erwachsenen Hunde leiden dort an Übergewicht. Die Problematik ist in Deutschland ähnlich.

Ganz aktuell hat sich eine Forschergruppe der Universität Liverpool der Thematik angenommen und die Ergebnisse diesen Monat veröffentlicht. Die Forscher haben dabei knapp 1000 Fotos von 28 Hunderassen zwischen 2001 und 2013 analysiert. Die Fotos zeigten Hunde aus den Top 5 der weltgrößten Hundeshow Crufts in England. Man sollte meinen, dass es sich hier um Vorzeigehunde mit idealen Proportionen handelt. Aber weit gefehlt. 25% dieser Hunde wurden von Forschern als zu bullig beschrieben. Im speziellen sind Mops, Basset Hounds und Labrador Retriever zu übergewichtig. Pudel, Rhodesian Ridgeback, Vizsla und Doberman gehören zu schlankesten Rassen.

Aber letztendlich liegt es nicht an den Rassen selbst, sondern an den Besitzern. Wissenschaftler und Tierärzte bestätigen, dass das Übergewicht vielen Hundebesitzern gar nicht bewusst ist. Fälschlicherweise glauben sie, dass ihr übergewichtiger Hund Normalgewicht hat. Laut Alexander German von der Universität Liverpool, sehen die meisten Menschen ihren Hund als Familienmitglied. Wird in der Familie zu viel oder ungesund gegessen und wenig Fitness betrieben, ist es nicht verwunderlich, dass auch der Hund übergewichtig ist. Außerdem gewöhnen sich die Menschen an ein bestimmtes vorherrschendes Bild. „Wenn sie immer wieder einen übergewichtigen Mops sehen, denken sie, es sei normal, auch wenn es schlanke Exemplare gibt“, so German. Ebenso beeinflussen Hunde, die übergewichtig erfolgreich an internationalen Hundeshows teilnehmen, das falsche Bild vom Körpergewicht.

Folgen von Übergewicht

Übergewicht bei Hunden ist wie bei uns Menschen auch mit diversen Gesundheitsproblemen verbunden. So können zum Beispiel Diabetes, Arthrose, Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Lebererkrankungen und Krebs entstehen. All das beeinträchtigt die Lebensqualität und Lebensspanne der Hunde und erhöht die Kosten für den Tierarzt. Laut der amerikanischen Organisation Association for Pet Obesity Prevention (APOP), eine Vereinigung zur Prävention übergewichtiger Haustiere, verkürzt sich die Lebenszeit um bis zu 2 ½ Jahre. Je nach Größe des Hundes können schon ein paar hundert Gramm oder wenige Kilogramm mehr das Risiko erhöhen zu erkranken.

Zudem haben übergewichtige Hunde weniger Energie. Sie liegen lieber rum, als sich zu bewegen und zu spielen. So kann es schon einmal vorkommen, dass Besitzer eine kränkliche Energie- und Teilnahmelosigkeit mit Faulheit verwechseln.

Wie finde ich heraus, ob mein Hund ein Idealgewicht hat?

WSAVA „The World Small Animal Veterinary Association” hat einen Leitfaden "Body Condition Score" herausgebracht, mit dem Ihr bestimmen könnt, ob Euer Hund an Unter- oder Übergewicht leidet. Hierzu müsst Ihr Euch die Rippen und die Taille genauer anschauen bzw. mit den Fingern über die Rippen gleiten.

Body Condition Score

Sehr stark untergewichtig: Rippen, Wirbel und Beckenknochen sind aus der Ferne sichtbar. Kein erkennbares Körperfett. Offensichtlicher Verlust von Muskelmasse.

Stark untergewichtig: Rippen, Wirbel und Beckenknochen sind leicht erkennbar. Kein fühlbares Fett. Minimaler Verlust von Muskelmasse.

Untergewichtig: Ribben sind leicht fühlbar und erkennbar ohne fühlbares Fett. Lendenwirbel ist sichtbar. Beckenknochen werden sichtbar. Starke Taille.

Normalgewicht: Ribben sind leicht fühlbar mit (leicht) fühlbarem Fett. Taille ist vorhanden, wenn man direkt von oben auf den Hund schaut. Wenn man den Hund von der Seite betrachtet, geht der Bauch nach den Rippen leicht nach oben.

Leicht übergewichtig: Rippen sind fühlbar mit einem leichten Überschuss an Fett. Taille ist zwar erkennbar von oben, aber kein herausragendes Merkmal. Wenn man den Hund von der Seite betrachtet, ist der Bauch in etwa auf der Höhe der Rippen.

Übergewichtig: Rippen sind schwer fühlbar, starke Fettansammlung an den Rippen. Offensichtliche Fettansammlung an den Lenden und am Schwanzansatz. Taille nicht vorhanden oder kaum zu sehen.

Stark übergewichtig: Rippen sind nicht spürbar bzw. nur spürbar mit starkem Druck, sehr starke Fettansammlung an den Rippen. Starke Fettansammlung an den Lenden und am Schwanzansatz. Taille nicht vorhanden. Bauchausdehnung nach unten vorhanden.

Extrem übergewichtig: Massive Fettansammlungen an Brust, Wirbelsäule und Schwanzansatz vorhanden. Taille nicht vorhanden. Fettansammlungen an Nacken und Gliedern. Bauchausdehnung nach unten stark vorhanden.

Was kann ich tun, um meinem Hund beim Abnehmen zu unterstützen?

Bevor Ihr Euch für eine Diät und mehr Sport entscheidet, bringt Euren Hund zum Tierarzt und lasst abklären, ob nicht eine Krankheit am Übergewicht Schuld ist. Falls Euer Hund gesund ist, liegt das Übergewicht an einer falschen Ernährung bzw. an zu vielen Kalorien und an zu wenig Bewegung.

Zusammenfassend heißt es ab sofort:

  • Weniger kalorienreiches Futter (dies betrifft auch die Leckerchen zwischendurch)
  • Regelmäßige Bewegung

Ernährung

Beim Futter heißt es ab sofort die Portionen zu kontrollieren. Hier ist verantwortungsbewusstes Handeln gefragt. Letztendlich entscheidet Ihr, wie viel Euer Liebling bekommt und entscheidet damit über die Gesundheit des Hundes.

Bei Dosen- oder Trockenfutter findet sich auf jeder Verpackung die Mengenempfehlung. Wichtig ist auch die meist kalorienreichen, industriell gefertigten Zwischenmahlzeiten und Leckerchen zu reduzieren oder auf natürliche Kauartikel um zu steigen. Gemüse und Obst sind eine leichte und vor allem gesunde Alternative. Hier bieten sich zum Beispiel Äpfel, Bananen, Birnen oder Karotten an.

Fitness

Bewegung hilft beim Abnehmen, macht den Hund ausgeglichen und glücklicher. Es gibt also keinen Grund für Ausreden. Beginnt mit einem zusätzlichen Spaziergang, fahrt am Wochenende Fahrrad oder besucht einen Stadtpark, wo er mit anderen Hunden spielen kann. Werft Frisbee oder Bälle und geht im Sommer zusammen baden und schwimmen. Jede Bewegung und gemeinsame Unternehmung hilft beim Abnehmen und stärkt die Beziehung.

Sei ein verantwortungsvoller Hundebesitzer

Dein Hund verlässt sich auf Dich. Neben Liebe gehören Futter, Bewegung und Beschäftigung zu seinen Grundbedürfnissen. Es ist Deine Aufgabe diese zu erfüllen. Füttere ihn mit dem besten Futter, das Du Dir leisten kannst und spielt und bewegt Euch zusammen.

Dir wird es gedankt mit einem ausgeglichenen, glücklichen Hund, der lange gesund bleibt.

Den Body Condition Score könnt Ihr hier noch einmal als PDF herunterladen.

Quellen: http://www.wsava.org http://veterinaryrecord.bmj.com/content/early/2015/06/22/vr.103093.abstract

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