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Eichhörnchen Tagebuch

Tag 1

Es sollte ein ganz ruhiger und entspannter Sonntag werden, als ein kleine Eichhörnchenbaby uns in hohe Aufregung versetzte. Mitten auf dem Gras im Garten saß am Sonntag ein kleines Eichhörnchenbaby und hat sich weder durch die Hunde noch durch uns verschrecken lassen. Nicht nur, dass es keine Angst hatte, es suchte förmlich unsere Nähe. Es setzte sich sogar auf unsere Schuhe. Was tun? Nach der ersten Überraschung haben wir im Tierheim angerufen. Diese haben uns geraten, das Eichhörnchen wieder auf den Baum zu setzen und es quasi wieder der Natur zu übergeben. Nach kurzer Beratschlagung und einer kurzen Infosuche im Internet, haben wir es wieder auf einen Baum gesetzt.

Im Kelleraufgang setzt sich das Eichhörnchenbaby schon zum wiederholten Male auf meinen Schuh Im Kelleraufgang setzt sich das Eichhörnchenbaby schon zum wiederholten Male auf meinen Schuh

Bevor wir es wieder auf einen Baum setzen Bevor wir es wieder auf einen Baum setzen

Eine Stunde später saßen wir auf der Terrasse, als das kleine Eichhörnchen uns wieder in helle Aufregung versetzte. Dieses Mal ist es an den Hunden vorbei bis zur Terrasse gekommen und wollte mit großer Anstrengung sogar auf die leicht erhöhte Holzterrasse klettern. Dank Eichhörnchen Schutz e.V. im Internet haben wir nun etwas tiefer recherchiert und haben folgende Punkte herausgefunden:

  • Eichhörnchenbabys in Not nicht einfach der Natur übergeben und hoffen, dass diese es schon richtet.
  • Eichhörnchenbabys lassen sich mit nackter Hand anfassen und übertragen keine Krankheiten.
  • Sie lassen sich in den ersten Wochen mit einer Mischung aus Katzenmilch, Fencheltee und bestimmten Verdauungstropfen aufziehen.
  • Unser Eichhörnchenbaby ist ca. 6 Wochen alt, da es schon offene Augen und Zähne besitzt. Allerdings ist das Gewicht um fast ein Drittel zu gering.
  • Wir gehen deshalb davon aus, das es das Schwächste war und vermutlich verstossen wurden. Weitere Eichhörnchenbabys haben wir nämlich nicht gefunden.

So haben wir beschlossen das kleine Einhörnchen aufzunehmen und es aufzupeppeln. Zur ersten Stärkung gab es eine Mischung aus Kamillentee und Honig. Aber vor lauter Stress und Aufregung hat es am Sonntag die benötigten 20 ml nicht getrunken. Zu unserer großen Erleichterung konnte es aber schon seinen Urin selber ablassen. In den ersten Wochen geschieht dies nur durch Massage des Bauchs. Eichhörnchenmamas lecken hierzu den Bauch und stimulieren so den Harndrang. Den restlichen Sonntag hat es viel geschlafen und war bis zum Schlafen immer im engen Körperkontakt zu uns. Es benötigt viel Wärme und Geborgenheit und vor allem auch direkten Hautkontakt. In der Nacht dient nun eine umfunktionierte Hundebox als Schlafplatz.

Tag 2

Gleich nach dem Aufstehen haben wir Katzenmilchpulver, Fencheltee und das Verdauungsmittel besorgt. Die erste Fütterung mit einer Spritze hat noch nicht so gut funktioniert. Bei der zweiten Fütterung wollte es schon fast die Spritze und meinen Finger essen, so einen großen Hunger hatte es. Nach dem Essen schläft es in der Regel weiter. Manchmal kommen schon kleine Aktivphasen hinzu. Diese dauern aber nur wenige Minuten an. Sitze ich am Schreibtisch liegt es entweder eingekuschelt in einem Handtuch auf meinem Schoß oder versteckt sich gluckernd im Nacken unter den Haaren. Bin ich unterwegs oder muss mich körperlich betätigen, haben wir einen kleinen Umhängesack gebastelt. Darin liegt es in einem Handtuch und schläft.

Übrigens, wir haben es auf den Namen "Hörnchen" getauft. Leider wissen wir noch nicht mit Sicherheit, ob es sich um ein Weibchen oder Männchen handelt.

Kurz vor dem Schlafengehen in der Hundebox Kurz vor dem Schlafengehen in der Hundebox

 

 

 

 

 

 

 

1. Woche

Mittlweile ist Hörnchen nun schon eine gute Woche bei uns und fühlt sich sichtlich wohl. Es wächst und gedeiht. Als Hauptnahrungsmittel erhält es weiterhin die Katzenmilch mit Fencheltee. Allerdings ist Hörnchen nun auch auf den Nuss-Geschmack gekommen. Nachdem wir ihm (wir gehen nun davon aus, dass es ein Männchen ist) mehrmal Nüsse angeboten haben, er aber nur daran geschnuppert und leicht darauf rumgebissen hat, ist er nun ganz wild danach. Er verspeist ganz locker schon eine Haselnuss oder eine halbe Walnuss. Obst und Beeren nimmt er noch nicht an. In einer kleinen Schüssel in der Hundebox hat er aber Zugriff auf kleine Obststücke, kleine Nüsse, Rosinen und Haferflocken. Aber nicht nur sein Nahrungsrepertoire vergrößert sich langsam, auch seine Aktivphasen nehmen zu. Auch wenn diese nicht länger als 5 - 10 Minuten dauern, so fängt er schon klettern und springen an. Sein Radius beschränkt sich dabei auf einen Meter um die Person, bei der er sich gerade befindet. In seiner Hundebox, die mit Ästen ausgestattet ist, führt er sich relativ wild auf. Da springt, hüpft und klettert er oder zieht sich an den Ästen hoch. Setzt man ihn auf unbekannstes Terrain, wie auf den Rasen, so hüpft er sehr schnell wieder zu einem hoch. Auch auf einem Apfelbaum ist er maximal 50 cm auf dem breiten Ast entlang gelaufen, bevor er wieder auf die Schulter gesprungen ist. So macht er kleine, aber feine Fortschritte. Sein Gewicht beträgt ca. 100 Gramm.

Leckere Katzenmilch mit Fencheltee Leckere Katzenmilch mit Fencheltee

Mit Körperkontakt oder in der Hundebox schläft es sich am besten Mit Körperkontakt oder in der Hundebox schläft es sich am besten

Hörnchen im Gras Hörnchen im Gras

2. bis 3. Woche

Die Zeit vergeht so schnell und am Sonntag werden es nun drei Wochen, dass Hörnchen bei uns lebt. Hörnchen entwickelt sich sehr gut. Mittlerweile ist er - wir gehen davon aus, dass es ein Männchen ist - auf 130 Gramm angewachsen. Als wir ihn vor knapp drei Wochen aufgenommen haben, hat er circa 55 - 70 Gramm gehabt. Leider war damals unsere Waage nicht sehr genau. In den letzten 1 1/2 Wochen ist sehr viel passiert. So frisst Hörnchen nun selbständig. Er hatte immer weniger Interesse an Katzenmilch gezeigt und hat nun seine Nahrung komplett umgestellt. Lieblingsspeise sind natürlich Nüsse, allen voran die Walnuss und die Haselnuss. Des Weiteren frisst er Karotten, Äpfel, Apfelsinen, Gänseblümchen und Rosinen.Ich stelle ihm regelmäßig auch Tannenzapfen, Rinde und kleine Äste mit Knospen zur Verfügung. Daran wird emsig geknappert. Aber nicht nur seine Fressgewohnheiten haben sich geändert, auch sein Bewegungsdrang und der damit einhergehende Wohnungswechsel. So hat es Hörnchen nicht mehr ausgereicht, seine ersten Kletterübungen auf den paar Ästen in der Hundebox zu vollziehen. Es musste etwas Größeres her. So haben wir im Wald eine zwei Meter hohe Eiche ausgebuddelt und in einen Topf gepflanzt. Diese befindet sich nun in einem Eck im Wohnzimmer direkt neben einem Bücherregal. Weitere zehn Äste und kleinere Stämme sind schon hinzugekommen, die ich zu einem kleinen Kletterparadies zusammengestellt habe. Die Hundebox diente am Anfang noch als seine Startbasis. Mittlerweile ist er aber umgezogen. Um die Äste und Stämme zu fixieren, habe ich Kabelbinder verwendet und um dem ganzen mehr Halt zu geben, habe ich einige Äste mit dem Bücherregal verbunden. Und wo glaubt Ihr nun ist er hingezogen? Genau, in das Bücherregal direkt hinter dem Brockhaus. Ich merke immer mehr, dass er sich vor allem in der Höhe wohlfühlt. Am liebsten will er immer ganz hoch hinaus. Zum Schluss möchte ich noch kurz seine Lieblingsbeschäftigungen aufzählen: Schlafen, Fressen, Klettern und Springen - und das nicht nur in seinem Kletterparadies, sondern auch auf mir oder anderen Personen.

Hörnchen vor seinem Büchereingang Hörnchen vor seinem Büchereingang

Hörnchen in seinem Kletterparadies Hörnchen in seinem Kletterparadies

Kurz vor der Auswilderung

Nur noch zwei Tage bis zur Auswilderung. Hörnchen ist nun mittlerweile sechs Wochen bei uns. Er ist zu einem quicklebendigen und frechen Eichhörnchen geworden, der einen viel zum Lachen bringt. Hat er gerade seine aktive Phase, dann spielt er am liebsten. Er rennt dabei an einem hoch und runter, am besten versucht man ihn noch zu fangen. Oder hangelt an den Händen rum, beißt rein und lässt sich am Bauch kitzeln. Gerade in den letzten zwei Wochen ist er so zutraulich geworden, dass man ihn ohne Probleme streicheln kann, so wie man es von seinen Hunden gewohnt ist. Er ist allerdings auch kräftig geworden. Seine Sprünge werden immer weiter  und mein Bauchgefühl sagt mir, dass er nun so weit ist. Zudem spielt mir glücklichweise das Wetter in die Hände. Laut einem Zeitungsbericht in den Erlanger Nachrichten sind wegen des kalten und regnerischen Wetters in den letzten Wochen viele Wildtierbabys eingegangen. So kann ich am Samstagmorgen mit ruhigem Gewissen die Terassentür öffnen. Ich bin gespannt, was genau passieren wird. Dies werde ich natürlich auch noch berichten. Heute abend werden wir aber erst einmal das Eichhörnchenhaus und die Futterstation in unserer alten Tanne befestigen. Die Futterstation kann er mittlerweile auch bedienen, auch wenn es ihm noch nicht so einfach fällt. Das Dach, das er mit dem Kopf anhebt, ist recht schwer. Aber nur so wird sichergestellt, dass sich das Dach auch wieder schließt und die Station keine anderen Tiere anzieht. Angeblich sind nur Eichhörnchen aufgrund ihrer Intelligenz in der Lage die Futterstation zu öffnen. Beruhigend ist auch zu wissen, dass sein Instinkt vollkommen in Ordnung ist. So habe ich ihm drei Möglichkeiten im Wohn- und Esszimmer zur Verfügung gestellt, in dem er seine Nüsse, Früchte etc. vergraben kann. Dies wird emsig genutzt. Auch Moos, Äste oder Papiertaschentücher verbaut er ganz instinktiv in seinen drei Wohnungen. Walnüsse kann er allerdings noch nicht aufknacken. Geübt hat er ohne Probleme dafür schon an Erdnüssen. Übrigens sein Gewicht beläuft sich nun auf circa 220 Gramm.

Klettern am Bein macht soviel Spaß Klettern am Bein macht soviel Spaß

Lecker Tannenzapfen Lecker Tannenzapfen

 

Hörnchen mit grüner Butzel Hörnchen mit grüner Butzel

Auswilderung und die Tage danach

Mit viel Rotz und Wasser haben wir Hörnchen am Samstag in die Freiheit entlassen. Ich öffnete die Terassentür, Hörnchen saß auf einer Stuhllehne und hat hinausgeschaut. Dann habe ich ihn genommen und bin mit ihm zusammen auf den Rasen. Dort ist er zu meinem Mann gesprungen und von dort aus auf eine sehr alte und große Tanne, die mitten im Rasen steht. Dort haben wir übrigens auch das Eichhörnchenhaus und die Futterstation untergebracht. Mit viel Freude ist er auf den Ästen rumgesprungen, dann zu den anderen Bäumen gelaufen und immer mal wieder zu mir zurück gehüpft. Nach einer halben Stunde habe ich ihn aus den Augen verloren. Eine Stunde später haben wir ihn wieder in der großen Zypresse gefunden. Dort habe ich ihn noch gefüttert und beobachtet, bevor er zu den Nachbarn gesprungen ist. Pünktlich um 18 Uhr, als wir im Garten gegrillt haben, kam Hörnchen nach einem sicherlich sehr aufregenden Tag durch den Garten gesprungen und lief ganz zielsicher durch die Terassentür. Obwohl ich einen Großteil seiner Sachen schon weggeräumt hatte, habe ich aber seinen Hauptfressplatz auf einem alten Bauernschrank und zwei seiner Schlafplätze belassen. Ich war so froh zu sehen, dass er seinen ersten Tag in der Freiheit gut überstanden hat. Erst hat er sich seinen Bauch vollgeschlagen und sich dann in einem seiner Schlafplätze zurückgezogen. So hat er in den darauffolgenden drei Nächten immer noch bei uns geschlafen und sich morgens und abends seinen Bauch vollgeschlagen. Am vierten Abend kam er zwar zum Essen, aber verließ uns danach wieder. Als er gegen 21 Uhr noch nicht zurück war, habe ich mir schon gedacht, dass er wohl nun sein eigenes Häuschen gefunden oder gebaut hat. Leider hat er bis heute das Eichhörnchenhaus bei uns im Garten noch nicht genutzt. Dagegen wird die Futterstation, vor allem von anderen Eichhörnchen rege genutzt. Gestern Nacht war es nun die zweite Nacht, die er nicht bei uns verbracht hat. Abends kam er zwar zum Essen, ging dann aber wieder. Heute morgen war der Fressplatz auf dem Bauernschrank nicht angerührt. Kurz darauf sehe ich ein Eichhörnchen im Vorgarten herumspringen. In großer Eile bin ich hinausgerannt und habe Hörnchen auf einer Tanne gefunden. Scheinbar hat er mich sofort erkannt und hat seine Tut-Tut-Geräusche von sich gegeben und ist auf meine Arme gesprungen. Ich habe ihn dann mit rein genommen und auf seinen Fressplatz gesetzt. Dort hat er fleißig gegessen und ist dann wieder durch die Terassentür entschwunden. Ich bin froh, wenn ich ihn momentan einmal am Tage sehe, damit ich mir sicher sein kann, dass es ihm gut geht. In den sieben Wochen ist mir der kleine Kerl so ans Herz gewachsen, dass ich mir doch Sorgen mache.

Ein Gedanke zu „Eichhörnchen Tagebuch“

  • Kim-Laura

    Das ist wirklich eine tolle Geschichte :) super, dass Du andere durch den Blog daran teilhaben lässt! Hörnchen ist aber auch zuckersüß. Super, dass er nicht zum "Haustier" geworden, sondern frei ist und selbst entscheiden kann :) großes Lob, dass Du den kleinen Racker so super aufgezogen hast :) ganz rührend!

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